Kompost - gute Erde für alle!



Einleitung
Kompost - Gold der Erde
Was ist Kompost und wie entsteht er?
Weblinks Kompost
Landschaftsorganismus und Kompost
Bodenleben oder Edaphon
Weblinks Boden und sonstiges
Verschiedene Kompoststarter
Terra preta
CMC-Kompost und peak oil
Kompost oder Biogas
Menschendünger
Bakterien als Kompoststarter











1. Einleitung


"Tief in meinem Innern lebt ein Bild: Mitten in Wüste und Sand sehe ich mich aus einem Brunnen Wasser schöpfen. Achtsam pflanze ich Bäume, Kräuter und Blumen und tränke ihre Wurzeln mit dem kostbaren Nass. Das kühle Brunnenwasser lockt Tiere und Menschen an, die sich erquicken und laben. Bäume spenden Schatten, das Land wird grün, Blumen verströmen ihren Duft, Insekten, Vögel und Schmetterlinge zeigen ihre Hingebung an Gott, den Schöpfer, als sprächen sie die erste Sure des Koran. Die Menschen, das geheime Gotteslob vernehmend, pflegen und achten alles Geschaffene als Abglanz des Paradiesgartens auf Erden." Auszug aus "Die Sekem-Vision v. Ibrahim Abouleish


Ist eine Vision menschlichen Lebens auf der Erde denkbar, in der das Wasser sauber und das Klima erträglich bleibt?
Kann der Mensch mit der umgebenden Natur im Einklang leben ohne diese dauerhaft zu schädigen?
Gibt es eine Landbewirtschaftung, die langfristig den Mutterboden fruchtbar erhält?

Ich meine ja. Ein Aspekt unter anderen, der dies in Zukunft ermöglicht, ist die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung großer Vielfalt, eines großen Gleichgewichts zwischen den Organismen auf der Erde, wo die eine Art von der anderen abhängt, von ihr lebt oder in Ihrer Gesamtzahl begrenzt wird.
Der Mensch ist verantwortlich für die Folgen jeder von ihm verursachten Entmischung, Konzentration einer Art (auch seiner selbst) im Raum oder auch in der Zeit und muss langfristig daraus entstehende Folgen durch erneute Vermischung, durch neue Gleichgewichtszustände, durch neue Kreisläufe rückgängig machen oder wenigstens abmildern. Jede künstliche Separierung erzeugt krankhafte Folgewirkungen, gleichgültig ob wir die lebendigen Organismen selbst anschauen, deren Ausscheidungen oder deren Körper nach dem Tode.

Solche Gleichgewichtszustände sind nur schwer künstlich herzustellen, denn die unberührte Natur zeigt uns ein aufwendiges Geflecht von Wechselbeziehungen. Der Mensch muss sich aber nach und nach darin üben, denn die Konservierung letzter Naturräume wird unweigerlich durch die Schaffung neuer naturähnlicher Kulturräume abgelöst werden müssen.

Im Rahmen dieser Betrachtung soll uns vor allem die Rückvermischung menschlicher wie tierischer Ausscheidungen und pflanzlicher Reste im Hinblick auf die Bodenfruchtbarkeit interessieren. Anders als in der reinen Natur muss also der Mensch erst noch lernen hier im weitesten Umfang gute Kreisläufe für Rückvermischungen einzurichten. Dies zeigt sich an folgenden Gebieten:


"Why do we have to face, even now with all our knowledge, that terrible danger of the slow running down of soil fertility which we should have left behind us with the passing of the centuries?
The answer when we come to it is extraordinarily simple. We have not yet grasped in its entirety the first law of Nature, the law of mixed existences, that supreme tenet which seems to run through every phase of life on this planet from first to last. Auszug aus "The Lowest Revolution of the Wheel" von Louise E. Howard



Kompost - Gold der Erde


Der Mensch lebt nicht mehr als Jäger und Sammler, sondern lebt in Städten zusammen, treibt Ackerbau und Viehwirtschaft. Dazu werden wenige Haustierrassen auf kleiner Fläche gehalten und wenige Pflanzenarten unter Ausschluss von Wildkräutern kultiviert. So ist die Zahl der Menschen stark gewachsen und sorgt damit für starke Ungleichgewichte im Naturhaushalt. Die Kompostierung und Kompostverwendung ist im Rahmen einer biologischen Landbewirtschaftung nur ein Mittel unter anderen dem Grundsatz der Durchmischung Rechnung zu tragen. Mischkultur (Vermischung im Raum) und vieljährige Fruchtfolgen (Vermischung in der Zeit) sind weitere Mittel. Immer, wenn richtige Ideen eingreifen wie die Kompostierung, finden gleich mehre heute drängende Probleme eine Lösung, z.B.

Dazu ist es notwendig, den Bio-Müll nicht in ein Stadium mit hoher Umweltbelastung enden zu lassen, sondern diesen wieder zur Grundlage neuer Lebensprozesse zu machen, womit Bio-Müll vom Kosten- zum Nutzenfaktor wird. Fügen wir also diesen sogenannten Abfall wieder in das ewige "Rad des Lebens" von Vergehen und Entstehen ein, so wird er zum "Gold der Erde".


Was ist Kompost und wie entsteht er?


Kompost ist die Grundlage guter Bodenbildung, die Ausgangsbasis dauernder Bodenfruchtbarkeit. Die Kompostierung ist ein menschlich kontrollierter Prozess der Verwesung organischer Substanzen unter Sauerstoffeinfluss an dessen Ende der reife Kompost steht, der als ein (neu) zusammengesetztes (lat. componere) Mittel verstanden werden kann, neuen, fruchtbaren Boden zu bilden. Auch die Natur kennt solche Zersetzungsprozesse, die wir als Verrottung bezeichnen. Diese Vorgänge sind aber viel unmerklicher, häufig auch langsamer, mehr flächig verteilt auf und verbunden mit der obersten, humosen Bodenschicht.

Erst wenn wir ein neues Bild vom Boden fassen, nämlich, wenn wir ihn als lebenden Organismus verstehen, werden wir auch alle natürlichen wie menschlich kontrollierten Verrottungsprozesse einordnen können. Dann erscheint Kompost als der Keim, die Geburt neuen Bodens. Wir dürfen darüber staunen, wenn wir diesem Umwandlungsprozess beiwohnen dürfen, den wir so lapidar Kompostierung nennen. Es ist doch ein kleines Wunder, wie Leben aus organischer Substanz weicht, diese tote Substanz von Kleintieren und Mikroorganismen neu zusammengesetzt wird und wieder neues Leben in diese Substanz einzieht.

Mit diesem Bild kann deutlich werden, dass wir im Kompost vornehmlich ein Mittel sehen müssen, das der Verlebendigung des Bodens dient und nicht primär Nahrung für Pflanzen ist. Der Düngerbegriff als Pflanzennahrung muss hier erweitert werden auf die Ernährung des Bodenlebens, um ihn noch gebrauchen zu können. Eine ähnliche Begriffserweiterung sollte auch auf das Gesetz vom Minimum erfahren:

"Die wissenschaftliche Theorie enthält jedoch einen Lehrsatz, der auch für das organische Gebiet volle Gültigkeit hat: das Gesetz vom Minimum. Es besagt, allgemein gefasst, dass der Nährstoff, der im Minimum vorhanden ist, das Wachstum der Pflanzen und damit den Ertrag bestimmt. Dieses überaus wichtige Gesetz wurde einseitig aufgefasst, so dass meist nur NPK (Stickstoff-Phosphor-Kali) und Kalk als bestimmende Faktoren angeführt wurden. Es müssen aber alle Faktoren des Wachstums in Betracht gezogen werden: Nicht nur Stickstoff, Phosphorsäure und Kali, sondern auch organische Substanz, Bodenleben, Wassergehalt, Spurenelemente, auch Licht und Klima als Energiefaktoren, ebenso wie die Samenqualität der Pflanzen selbst." Anleitung für die Kompostfabrikation aus städtischen und industriellen Abfällen von Dr. Ehrenfried E. Pfeiffer, 1957, S. 82

So ist z.B. die Bedeutung der Spurenelemente ein noch wenig erforschtes Gebiet, wenn auch immer mehr Menschen darauf aufmerksam werden (s. u.a. hier).

Der Mensch ahmt durch kunstvolle Durchmischung und Aufschichtung die Vorgänge in der Natur nach. Er versucht den natürlichen Rotteverlauf zu beschleunigen, indem er die Rottebedingungen beobachtet und durch Eingriffe optimiert. Zu den Rottebedingungen gehören Feuchtigkeit, Wärme und Sauerstoff, die Lebensvoraussetzungen für aerobe Mikroorganismen und Kleintiere sind, die die "Verdauungsarbeit" ganz wesentlich leisten. Bei der kontrollierten mikrobiologischen Kompostierung - CMC-Methode - sind dazu von dem österreichischen Ehepaar Lübke genaue Werte erarbeitet worden, die sie in Kursen weitergeben und die die Rottelenkung durch ständiges Messen von Temperatur, Feuchtigkeit u.a. sicherer machen.

Die Kompostierung erfolgt durch eine aerobe Zersetzung. Daneben gibt es noch die Vergärung von organischer Substanz als einen anaeroben Zersetzungsprozess, also unter weitgehendem Sauerstoffabschluss. Die Vergärung erlangt heute unter der drohenden Ölverknappung große Bedeutung zur Gewinnung von Biogas (weiteres s. hier). Ich möchte hier weniger die Bedingungen für eine gute Kompostierung beschreiben, da dies schon vielfach geschehen und auch im Internet zu finden ist (s. Weblinks zum Kompost). Vielmehr möchte ich im folgenden auf weitere Fragestellungen zum Kompost eingehen.


Weblinks zum Kompost


Kompostierung bei Wikipedia
Kompost bei Biozac
Kompostierung - Münchner Leitfaden
Kompost-PDF, Landw. Ministerium Thüringen
Deutsche Bundesgütegemeinschaft Kompost
Schweizer Kompostforum
Österreichischer Kompostgüteverband


Landschaftsorganismus und Kompost


Dreigliedriger Stadt-Land-Organismus
Noch im 20. Jahrhundert ließen sich dörfliche Siedlungen finden, bei denen von einem menschlich-natürlichen Organismus gesprochen werden konnte. Es gab ein seelisch-geistiges Leben, das die Menschen verband und Ausdruck fand im Sakralbau der Kirche. Es gab eine regionale Wirtschaft, jedoch kein unabhängiges Rechtsleben. Dennoch halte ich es für berechtigt durch das starke Eigensein, häufig auch eine relativen Abgeschiedenheit, von einem sozialen Organismus zu sprechen. H.-Ch. Vahle zeigt im Hinblick auf seltene Pflanzengesellschaften wie von der Naturseite her die historische Dorfgemarkung als dreigliedriger Kulturlandschaftsorganismus gesehen werden kann und was wir tun können bestimmte Organe darin (z.B. Lichtrasen) neu zu beleben (s. hier und hier).

Für diese Arbeit bin ich dankbar, denn aufbauend auf diesen Gedanken entstanden in mir folgende Fragen: Wie können wir heute die Städte mit dem darum liegenden Land als moderne Lebensform in einer Gliederung sehen, denn diese haben doch heute viel größere Bedeutung als die historischen Dörfer?

Diese Frage hat zwei Aspekte: Einen sozialen Aspekt und der betrifft das Gebiet der sozialen Dreigliederung und einen natürlichen Aspekt und der betrifft den natürlichen Organismus, der sich aus Stadt und Umkreis ergibt. Es sei angedeutet, dass es neben meinen eigenen Ausarbeitungen zur sozialen Dreigliederung (z.B. Hat das Leben im Dorf eine Zukunft?) u.a. auch auf der Internetseite von www.dreigliederung.de dazu Beiträge gibt. Da alles Wirtschaftsleben auf der Naturgrundlage ruht, wird sich in Zukunft ein Zusammenhang zwischen einem dreigliedrigen sozialen und einem dreigliedrigen Landschaftsorganismus immer deutlicher zeigen. Auf beiden Gebieten soll der Mensch Raum für seine nächsten Mitlebewesen lassen und ihnen aus freier Einsicht ein artgemäßes bzw. menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Sicher ist die "organhafte" Anordnung von Pflanzengesellschaften durch die Initiative einsichtiger Eigentümer neben der Festlegung raumplanerischer Ziele möglich. Naturschützende Ziele im Rahmen einer Raumplanung wie die Biotop-Vernetzung oder die Einrichtung und Ausweisung von Hochwasserschutzgebieten sind in der engen mitteleuropäischen Kulturlandschaft schwer durchzusetzen. Doch am Anfang steht erst mal die Einsicht.

So finde ich an dem Beitrag von Herrn Vahle sehr wichtig, zunächst bildhaftes Bewusstsein zu schaffen, dass Pflanzengesellschaften Organe der Landschaft sein können. Herr Vahle spricht als Gliederungsmerkmal auch von dem Kulturgradienten, z.B. abnehmende Düngung bei zunehmender Entfernung vom Dorfmittelpunkt. Anders: Zunehmende Entfernung - abnehmender menschlicher Einfluss. Dies ist also ein radiales, ringförmig arrondiertes Gliederungsmuster, das ganz praktisch auf den Transportaufwand für die Düngung und der sonstigen menschliche Arbeit abstellt.

Welches Bild ließe sich für das heutige Mitteleuropa mit den vielen ländlichen Siedlungen (weniger Dörfer im alten Sinne, eher Wohn- und Schlafstätten für Pendler) und kleinen und großen Städten finden? Vielleicht müsste eher an einen bunten Flickenteppich gedacht werden, in dem die verschiedenen Pflanzengesellschaften in gleichmäßiger Streuung verteilt sind. Die Düngung dringt dank Aussiedlerhöfe und stärkerer Motorisierung bis in große Entfernungen weitab von menschlichen Siedlungen. Wenig berührte Naturräume nehmen ab, die Kultursteppe nimmt zu.
Es ließe sich doch auch versuchen, in dem Kompost ein Organ für einen Stadt-Land-Raum zu sehen. Dieses Organ Kompost könnte doch die Funktion haben, die Konzentration der Stoffeausscheidungen verschiedener Lebewesen zu "verdauen" und die ehemals vielen Nahrungsstoffe, die heute aus der ganzen Welt kommen, wieder mit dem Naturganzen harmonisch rückzuvermischen. Damit wäre der Kompost anlehnend an die menschliche Dreigliederung dem aufbauenden Stoffwechsel-Gliedmaßen-System zuzurechnen, wozu auch der menschliche Magen gehört. Eine ähnliche Aufgabe kommt dem Bodenleben zu, auch als Edaphon bezeichnet. Rudolf Steiner vergleicht allerdings die dünne, fruchtbare Bodendecke im Landwirtschaftlichen Kurs mit dem menschlichen Zwerchfell, was er dort als ein zwischen oben (oberirdisch) und unten (unterirdisch) vermittelndes Organ (vergleichbar mit dem Herz-Rhythmus-System beim Menschen?) beschreibt. Diese Organhaftigkeit des Kompost verdient weitere forschende Betrachtung.



Bodenleben oder Edaphon


Immer mehr wird die Bedeutung des Bodenlebens (griech. Edaphon) für die Fruchtbarkeit unserer Erde erkannt. Doch muss auch deutlich gesagt werden, dass diese nicht allein Fruchtbarkeit bewirken kann. Wie eine Kuh nur gute Milch gibt, wenn sie gutes Futter bekommt, so können auch die Kleinlebewesen nur bei gutem "Futter" den Boden fruchtbar halten:

"Ernähre das Bodenleben und dieses wird dich erhalten." Landwirtschaftsprofessor L. WYND (Michigan)


Der Boden bildet mit den Mineralien, mit dem Wasser, das in ihm ist, mit der jeweils verschiedenen Wärme und nicht zuletzt auch mit dem gesamten Bodenleben eine Art Organismus. Es sei Erhard Hennig gedankt, dass er aufzeigt, wie sich der Organismus Boden und der Organismus Rind im Hinblick auf die Verdauungstätigkeit in einer dreigliedrigen Struktur miteinander vergleichen lassen (Geheimnisse der fruchtbaren Böden, Organischer Landbau Verlag, 1997, S. 123f):

Vorgang Rind Boden
Vorverdauung Pansen, Netzmagen
Blättermagen
Abbaubakterien (Ausscheidung Rohhumus)
Verdauung Labmagen Aufbaubakterien
Nachverdauung Dünn- u. Dickdarm Rhizospährenflora, Kleintiere
(Ausscheidung Humus)


"In dieser Gegenüberstellung kommt zum Ausdruck, dass die Bodenorganismen nicht einzelne Pflanzen und Tiere sind, sondern integrierte Bestandteile eines Gesamtorganismus, aufeinander angewiesen und voneinander abhängig. Absterbende Organismen dienen ebenso wie ihre Stoffwechselprodukte anderen zur Nahrung... Die (einzelnen) Bodenorganismen machen nicht das Bodenleben aus, sie sind selbst Organe eines lebendigen Organismus." Sattler/Wistinghausen, Der landwirtschaftliche Betrieb, Ulmer Verlag, S. 31

Eine schöne Beschreibung des Ineinandergreifens verschiedenster Lebewesen im Boden hat Markus Kappeler gegeben s. hier

Der Boden mit dem Bodenleben bewirkt, dass die Pflanzen darin gut wachsen können und ausreichend Nährstoffe finden. Das Bodenleben ist nicht nur Nährstoffversorger für die Pflanzen, es bildet auch eine wichtige Mikrostruktur. Vor allem die Regenwürmer tragen dazu bei, dass durch innige Vermischung von Tonmineralien und Huminstoffen sogenannte Ton-Humus-Kolloidale oder -Komplexe entstehen. Diese Bildung der Bodenstruktur dämpft die Erosion, bremst den Wasserabfluss, bewirkt die wichtige Lockerheit, Krümeligkeit des Bodens durch Belüftung, Sauerstoff. Der gut belebte Boden ist dann vergleichbar mit einem Brotteig, der aufgeht und nicht umsonst bezeichnet ein altes Bauernwort diesen Zustand als Bodengare.

Bodenkrümel Die Bodenstruktur innerhalb kleiner Bodenkrümel wird also gebildet aus einem mineralischen Gerüst, Luft- und Wasserporen (letztere je nach Porengröße wasserführend oder wasserhaltend), Bakterienkolonien, Nährstoffen, Pilzfäden, Schleimstoffen u.a. und wird auch als Lebendverbauung bezeichnet, ein Begriff, der auf Franz Sekera zurückgeht. Gut belebte Böden können damit viel mehr Wasser und Nährstoffe speichern und sind auch bei Starkregen viel schneller wieder bearbeitbar. Die Hochwasser der vergangenen Jahre sind nicht allein ein Zeichen des Klimawandels. Sie zeigen auch in welchem Maße die heimischen Böden durch falsche Düngung und verdichtende Bearbeitung vermehrt zu toten, mineralischen Substraten geworden sind, unfähig wie ein Schwamm Wasser zu speichern.

Die Lebenswelt im Boden ist mit der im Kompost vergleichbar, wenn auch nicht durch die stärkere Konzentration organischer Masse und größere Wärme identisch. Wer den Boden als Organismus versteht, für den ist auch das Leben im Kompost und die Herstellung der Rottebedingungen leichter verständlich, denn auch der Kompost lebt und "verdaut" mithilfe des Bodenlebens.


Weblinks Boden und sonstiges


Boden allgemein
Bodenwelten
Bodenleben auf bio-gärtner
Bodenleben uni-münster
Edaphon Wikipedia

Regenwurm
Kompostwurm
Regenwurmfarm
Kompostieren mit Wurmwanderkasten
Etagen-Wurmkomposter
Supercomp
Nightcrawlers

Torf
Torf bei Wikipedia
Auf der Suche nach Torfersatz
Kein Torf in den (schweizer) Topf

Sonstiges
CMC-Praxis auf Teneriffa Biofarm-Texte (engl.)



Verschiedene Kompoststarter



Die Bedeutung der Mikroorganismen als ein Verdauungsorgan des lebendigen Bodens wurde schon dargestellt. Es ist vielleicht zu eng nur von Kompoststarter zu sprechen, denn die genannten Mittel bewirken mehr oder weniger eine Lenkung der Rotte über den ganzen Prozess. Für den Aufbau einer bestimmten Bakterienkultur mit dem Ziel eine gute aerobe Verrottung und nicht irgend eine "wilde" Umsetzung zu erreichen, ist die Zugabe, die Impfung mit bestimmten Bakterien sinnvoll. Auf diesem Gebiet hat Ehrenfried Pfeiffer Pionierarbeit geleistet. Ich habe daher seine diesbezügliche Darstellung am Ende dieser Arbeit aufgenommen.

Biologisch-dynamische Kompostpräparate
Hier wurden verschiedene Heilpflanzen wie Schafgarbe und Kamille in Tierhüllen hineingegeben und für gewisse Zeit im Boden oder an der Luft aufbewahrt. Die fertigen Präparate werden dann in Abständen in den aufgesetzten Mist gegeben.

Fladenpräparat
Das Fladenpräparat beruht auf organische Kalkwirksamkeiten und wurde von Maria Thun in langjähriger Forschung unter Begleitung von Ehrenfried Pfeiffer nach 1954 entwickelt. Näheres hierzu unter:
www.fladenpräparat.de

Humofix
Es handelt sich um eine Vereinfachung der biologisch-dynamischen Präparate. Zwei Internetlinks können den "Entstehungsweg" von Humofix erklären: Maye E. Bruce, eine britische Biogarten-Pionierin lernte die Demeter-Präparate in England kennen, fand Sie zu kompliziert und vereinfachte sie. Dann übernehmen diese "Quick-Return-Methode" die Fuldaer Benediktinerinnen und machten aus der Schnellkompostierungsmethode von Bruce, das bekannte Humofix und vertreiben es mittlerweile in 30 Länder der Erde.

Siehe auch:
Kapitel "The Story of Quick-return Compost"
"Eine Kombination aus Kräutern und Können", Die Tagespost

Dabei ist weniger von Verständnis als von Nachahmung zu reden, durch Menschen, die lieber ganz ohne ihnen suspekte Methoden, d. h. ohne Esoterik oder Sekten arbeiten wollen und dann zu einem eigenen Starter gekommen sind. So geschehen bei dem Humofix-Starter durch Nonnen der Abtei Fulda (s. www.abtei-fulda.de/PDFs/humofix.pdf). Es enthält genau die Kräuter aus den biologisch-dynamischen Präparaten (verrieben in Honig und Milchpulver) ohne die Tierhüllen. Durch die erprobte Praxis in einem Klostergarten dürfte Humofix auch wohl den "Segen" der Kirche haben, die in den Mitteln des biol.-dyn. Landbaus eine Art anthroposophischen Hexenzauber sieht. Mindestens die geisteswissenschaftlich begründete Auswahl der Kräuterpflanzen Steiners im Landwirtschaftlichen Kurs findet durch Humofix eine weltweite Bestätigung.

Allerdings muss sich die biologisch-dynamische Bewegung kritisch fragen lassen, ob sie nach gut 80 Jahren genügend Anstrengungen unternommen hat, den Menschen die Wirksamkeit der Präparate verständlich zu machen. An der instruktiven Darstellung sollten Praktiker mit Forschern
zusammenarbeiten, denn eine theoretische Gelehrsamkeit wird ganz besonders in dieser Frage der Sache nicht gerecht.

Pfeiffer-Starter (zu Zeiten Pfeiffers auch b.-d. Starter)
Ehrenfried Pfeiffer hat 55 Bakterien-Kulturen für einen Kompoststarter entwickelt und auch wohl erfolgreich eingesetzt bzw. einsetzen lassen. Über diese Entwicklung und über die grundsätzliche bakteriologische Kompostbehandlung berichtet er in dem am Schluß wiedergegebenen Ausführungen aus seinem Buch.

Vermutlich ist dieser Starter mit dem heute noch erhältlichen Lübke-Starter (bzw. CMC-Starter) identisch. Ob dieses Bakterienpräparat mit dem heutigen b.-d. Kompostpräparat vom Josephine Porter Institut, USA, (s. dortige Produktliste) übereinstimmt, die dortige Beschreibung deutet anderes an, muss ich noch nachfragen.
Bezugsquelle: European Bioremediation (Niederlanden)
Bezugsquelle in Deutschland?

Effektive Mikroorganismen (EM)
Professor Higa aus Japan entwickelte in den 80zigern des letzten Jahrhunderts ein Bakterienpräparat mit 80 Kulturen. Dieses EM wird heute weltweit in der Landwirtschaft und im Gartenbau eingesetzt. Es hat Anwendungsgebiete, die über Landwirtschaft und Gartenbau hinausgehen (s. www.em-schweiz.ch; nur eine der zahlreichen Seiten, aber recht informativ).

Teruo Higa hatte durch eigene Erfahrung die Rückständigkeit des Landbaus in Japan erlebt und wollte Mittel finden die Fruchtbarkeit auch ohne chemische Dünger zu erhöhen. Beinahe hätte er seine Suche aufgegeben. Erst als er nach langem Bemühungen den Weg seiner Suche änderte, indem er nicht ein einzelnes Bakterium suchte, sondern eine Kombination aus mehreren Bakterienstämmen, hatte er Erfolg. Als er an einer Rasenstelle mehrere Reste der Kulturen ausgeschüttet hatte und das Gras dort kräftiger wuchs als ringsherum, da ist er dem nachgegangen und hat seine EM "entdeckt" (s. Leseprobe aus "EM", Buch von Mau ).

"Im Gegensatz zur aeroben Kompostierung (wie bei Pfeiffer-Starter, wb) bei hohen Temperaturen (60°C und darüber) wird mit EM bevorzugt anaerob, bei moderaten Temperaturen (nicht über 50°C) kompostiert. Dabei entsteht nicht herkömmlicher Kompost, sondern ein „Bokashi“ genanntes, milchsäure-fermentiertes Produkt, das erst im Boden umgewandelt (humusiert) wird und nachweislich einen äußerst positiven Einfluss auf die Gesundheit des Bodens und der Pflanzen ausübt. Jede Spezies der effektiven Mikroorganismen (Photosynthese-Bakterien, Milchsäure-Bakterien, Hefen, Aktinomyzeten und ferment-aktive Pilze) hat ihre eigene wichtige Funktion. Die Photosynthese- Bakterien sind jedoch Dreh- und Angelpunkt der EM-Aktivität. Das Präparat hat eine nachweislich hohe antioxidative Wirkung (Verminderung freier Radikale)." www.kompost.ch


Es gibt sicher noch einige hier unerwähnte Starter und Komposthilfen, die wegen Ähnlichkeiten mit besprochenen Startern unerwähnt bleiben bzw. die den Umfang der Darstellung zu weit ausdehnen. Zwei weitere seien zumindest mit Weblinks erwähnt:

seso-fest
Kanne-Brottrunk


Vergleichende Fragen

B.-d. Präparate mit Humofix
Was fehlt einem Kompost mit Humofix behandelt, im Vergleich zu einem mit den b.-d. Kompostpräparaten? Diese Frage zielt auf die Wirksamkeit der Tierhüllen. Auf der anderen Seite: Was bewirkt das Milchpulver und der Honig im Humofix? Werden dadurch Hefen (Nektarhefen im Honig) und Milchsäurebakterien aus dem Milchpulver aktiviert? Lassen sich Qualitätsunterschiede in den Komposten mit bildschaffenden Methoden erkennen?

B.-d. Präparate mit Pfeiffer-Starter
In der Biografie von Ehrenfried Pfeiffer lese ich folgende Aussage:

"Charlotte Parker, die Besitzerin der Threefold Farm in Spring Valley, bot ihm (Pfeiffer, W.B.) Platz für ein Laboratorium auf ihrem Anwesen. Pfeiffer nahm das Angebot an und zog mit seiner Familie 1948 nach Spring Valley. Es folgten Jahre, in denen er zu neuen Ergebnissen auf unterschiedlichen Forschungsgebieten kam (Bodenaufbau, Ernährungsforschung, Futtermittelforschung, Müllkompostierung, Substanzbehandlung, Signaturenlehre etc.). Er entwickelte beispielsweise einen Kompoststarter zur Müllbehandlung. Mit ihm sollte einer Anregung Steiners entsprechend die Präparatewirkung auf möglichst große Flächen des Kulturlandes ausgedehnt werden."
Quelle


Pfeiffer war wohl einer der Forscher, der sehr weit über die Intentionen Steiners informiert war. Weshalb also entwickelte er neben den Präparaten noch einen Kompoststarter? Ich habe dazu folgende Vermutung:

Die biologisch-dynamischen Präparate, also die Kompost-Präparate und auch die zwei Feldspritzpräparate Horn-Mist und Horn-Kiesel, sie sind eine Konzeption, die in erster Linie auf eine Verlebendigung der landwirtschaftlichen Hofindividualitäten zielte und zielt. Innerhalb der Stoffekreisläufe auf den Höfen mit Kuhhaltung hatte der Mistkompost zumindest noch zu Zeiten des Landwirtschaftlichen Kurses 1924 einen hohen Stellenwert. Die Zutaten für die Präparate sollten daher auch nach Möglichkeit von den Höfen selbst kommen. Bei eigenem Wald ggf. auch die Hirschblase, denn ein gewisses Verhältnis zwischen Wald und Feld wurde ja im Kurs von Steiner als gesundende Wechselwirkung beschrieben.

Ganz andere Voraussetzungen liegen allerdings vor, wenn wir diese Konzeption auf einen Mastviehbetrieb, eine viehlose Landwirtschaft oder eine Gärtnerei übertragen wollen. Hier können noch gewisse Hilfs- und Freundschaftsdienste die Zutaten zu den Präparaten zur Verfügung stellen bzw. es wird gleich fertiger Kompost von viehhaltenden Höfen bezogen. Der relativ geschlossene Kreislauf ist dann innerhalb solcher rechtlich selbständiger Betriebe nicht möglich. Allerdings spricht auch nichts dagegen, dass z.B. eine Gärtnerei und eine Landwirtschaft in der Dünger- und Futterfrage eine Kooperation eingehen und der geschlossene Stoffekreislauf auf einer überbetrieblichen Ebene als mehrgliedrige Individualität entsteht.

Eine Schwierigkeit anderer Dimension entsteht für die stadteigenen oder privatwirtschaftlichen Kompostbetriebe. Wie oben angedeutet, lassen sich diese als Organe eines größeren Stadt-Umland-Landschafts-Organismus verstehen, die eine gewisse Verantwortung entdecken müssen, den Böden des Umlandes die aus der ganzen Welt entzogenen organischen Werte in das Naturganze in harmonischer Weise wieder zurückzugeben. Vielfach sind die Rückgaben aus den Biomüll-Sammlungen noch sehr unbefriedigend. Wie auch Pfeiffer andeutet, führen viele Kompost-Betriebe die Verrottung in zeit-/platz-/kostensparender Weise nur bis zur Rohhumus-Phase und versuchen dieses Rohprodukt abzusetzen. Ein Reifkompost ist aber ohne die Azotobacter-Kulturen nicht zu erzielen, die erst nach 9 Tagen nach einer längeren Ruhe und Reife eine relativ unscheinbare, aber dennoch wichtige Umbauarbeit geleistet haben. Erst dann entwickelt sich der typische Walderdegeruch.
Pfeiffer hatte erkannt, dass auch für die Kompostbetriebe eine Art Stoffekreislauf mit dem großen Ziel der Bodenverlebendigung zu schaffen sei. Da für diese Betriebe die Tierhüllen der b.-d. Betriebe keine betriebseigenen Stoffe waren, musste er einen Ersatz suchen, den er in den Bakterienkulturen fand. Sowohl Tierhüllen-Präparate als auch Kompost-Starter zielen auf die Verlebendigung des Bodens. So könnte Pfeiffer Steiners Anregung, die Präparatewirkung auf möglichst große Kulturflächen auszudehnen, verstanden haben.

Doch eine Gefahr ist auch bei dieser Art Impfung gegeben wie ein Zitat Steiners aus dem Landwirtschaftlichen Kurs zeigt:

"Nun, es muss ja natürlich dasjenige, was da der Erde übergeben wird, seine ursprüngliche Form, die es hatte, ehe es aufgenommen wurde als Nahrungsmittel, verlieren, denn es muss eben durch einen inneren organischen Prozess des Stoffwechselsystems durchgegangen sein. Es wird in gewisser Beziehung in Zersetzung, in Auflösung begriffen sein. Aber am besten ist es, wenn es eben in dem Punkte ist, wo es durch sein eigenes Ätherisches und Astralisches in Auflösung begriffen ist. Da stellen sich dann die Parasiten, die kleinsten Lebewesen ein. Die haben da einen guten Nährboden. Deshalb glaubt man ja auch, dass nun diese parasitären Wesen mit der Güte des Düngers überhaupt etwas zu tun haben. Diese sind aber eigentlich nur die Anzeichen dafür, dass der Dünger in diesem oder jenem Zustande ist. Dadurch, dass sie dies anzeigen, können sie Bedeutung haben. Aber wenn wir glauben, dass wir durch Impfung mit diesen Bakterien und dergleichen den Dünger radikal besser machen können, so geben wir uns doch eben einer Täuschung hin. Das kann dem äußeren Schein nach zunächst der Fall sein, aber in Wirklichkeit ist es nicht der Fall. " LK, S. 99


Hier stoßen wir auf ein grundsätzliches Missverständnis im Umgang mit den Mikroorganismen: Sie können große Umsetzungen bewirken, doch durch ihre außerordentliche Spezialisierung sind sie abhängig davon, ein für sie brauchbares Lebensmilieu anzutreffen. Ist die z.B. Temperatur wenige Grade zu hoch, ist Feuchtigkeit oder Sauerstoff zu niedrig sind sie zur Untätigkeit verdammt. Dies hat der große Mikrobiologe Pasteur erkannt und erst auf seinem Totenbett zugegeben. Pasteur schloss mit dem Satz: "Die Mikrobe ist nichts, der Nährboden ist alles." seinen Wissenschaftsstreit mit dem Gegenspieler Betchamp (s. hier).

Hiermit soll angedeutet werden, dass neben den nicht stofflichen Lebensbedingungen die Güte und die richtige Mischung der Ausgangsstoffe des Bio-Mülls die Qualität des Kompostes viel stärker beeinflussen, als eine Impfung mit bestimmten Bakterien. Stimmt die Mischung nicht, finden sie zu wenig "Futter" und die Qualität bleibt schlecht.

Wie wenig die ganze Problematik in biologisch-dynamischen Kreisen zu Zeiten Pfeiffers als auch noch heute Eingang gefunden hat, zeigt mir die spärliche Literatur. Ein Beispiel ist dafür auch nachfolgendes Interview mit Nikolai Fuchs, damals Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion in Dornach in der lebendigen Erde 6/2004 (Lebendige Erde 6/2004):

"Müssen die Präparate neu erfunden werden? Brauchen wir weitere - man denke an die Tropen oder an das Interesse vieler Landwirte für zahlreiche neuen Mittelchen auf dem Markt von Plocher bis EM?
Fuchs: Dass man so offen ist für neue Mittelchen am Markt, die einem die Probleme lösen, ist ganz menschlich. Wir haben immer Sehnsucht danach, uns mit einem Mittel oder einer Technik eines Problems entledigen zu können. Und es hat auch eine berechtigte Seite, nach besonderen Hilfen zu suchen, da die Natur unter den heutigen Umweltverhältnissen tatsächlich geschwächt erscheint. In diesem Zusammenhang gibt es aber auch interessante Forschungen z.B. von Jürgen Fritz (Uni Bonn) und Hartmut Spieß (Institut für Biologisch-dynamische Forschung), die mit Fingerhut-Extrakten eben wegen der beschriebenen Schwächung eine Verstärkung der Hornkiesel-Wirkung erforschen. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Forschungen, obwohl sie z.B. in der Lebendigen Erde veröffentlicht werden, zu wenig Beachtung finden. Lieber lässt man sich auf die Verheißung irgendeines neuen Mittelchens ein..."




Pfeiffer-Starter mit EM
Hier sind große Übereinstimmungen feststellbar. Dennoch: Die Unterschiede in den Bakterienkulturen bedingen Verschiedenheiten in den Rotte-Temperaturen, auch in den End-Produkten, was bei dem Bokashi durch EM noch eine gewisse Nachkompostierung erfahren muss. Pfeiffer-Starter wird in der Ursubstanz trocken abgegeben, EM flüssig als sogenannte EM-1 oder EM-Farming. Genauere Aussagen lassen erst eingehende Praxistests zu, die mir nicht vorliegen.



Terra preta (portug. für "Schwarze Erde")


Schwarzerde-Vorkommen in den tropischen Gebieten der Erde, vor allem im brasilianischen Regenwald scheinen der Legende um El Dorado einen wahren Hintergrund zu geben (s. Schwarze Erde ersetzt Brandrodung). Eine kleine Forschergruppe versucht nun der genauen Zusammensetzung dieser außergewöhnlichen Böden auf die Spur zu kommen, auch um dem Abholzen der Tropenwälder mit kargen Böden durch eine nachhaltigere Landbauweise Einhalt zu gebieten. Interessant ist dabei, dass Holzkohle (engl. charcoal) ein Schlüssel zu sein scheint. Die Terra preta soll bei Vermischung mit Kompost außergewöhnliche Fruchtbarkeit erzielen und dauerhaft im Boden bestehen bzw. nach dem Abbau von einer Restvorkommen aus nachwachsen. Doch es gibt noch viele offene Fragen:
Funktioniert die Herstellung auch in der gemäßigten Zone? Woher kommt der hohe Teil an Phosphor in der Terra preta?


Andere Forscher arbeiten auch schon daran, Holzkohle effektiv, d.h. bei gleichzeitiger Gasgewinnung herzustellen und die Kohle nach Weiterverarbeitung auf die Kulturböden zu bringen. Daraus könnte ein System mit vielfachem Nutzen entstehen, dass nicht zuletzt auch eine wichtige CO2-Senke werden könnte, denn in dem Verfahren bleibt der überwiegende Teil des pflanzlichen gebundenen Kohlenstoffes in der Holzkohle. Vielleicht ist es noch zu früh eine Kombination der CMC-Methode mit Terra preta-Forschung zu versuchen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch kurz ansprechen, dass überhaupt die Nährstoff-Speicherfunktion wie bei der Holzkohle in einigen mineralischen Produkte wie Gesteins- und Tonmehle (z.B. dem Bentonit-Tonmehl mit riesiger Oberfläche) ganz beachtlich ist. Evtl. haben ja die zahlreichen Tonscherben in der Schwarzerde eine Bedeutung, weil sie Reste einer Tonmehl-Zugabe darstellen.
www.eprida.com
www.wisbiorefine.org
Terra preta bei Wikipedia




CMC-Kompost und peak oil


In den vergangenen Jahrzehnten war der biologische Landbau darauf bedacht, zu beweisen, dass er neben der konventionellen bzw. industriellen Landwirtschaft, die Pestizide und chemisch erzeugte Dünger verwendet, bestehen kann. Dieser Kampf ist noch nicht gewonnen, wie neuerliche Angriffe von seiten der Gentechnik mit Unterstützung einer zentralisierten EU-Bürokratie zeigen. Dennoch verzeichnen Bio-Produkte in den letzten Jahren eine sprunghafte Nachfrage, was auch auf Skandale wie BSE und Gammelfleisch zurückzuführen ist. Inzwischen wird ein großer Teil der Bioprodukte aus dem Ausland importiert, was natürlich nicht gerade zu einer sinnvollen Energiebilanz beiträgt. Vor allem kann durch diese Import-Abhängigkeit eine außergewöhnliche Teuerung entstehen, wenn die Ölpreise weiterhin steigen und die Spediteure, die Kraftstoffkosten an den Handel weitergeben.

Da könnte so mancher Bio-Sympathisant wieder "rückfällig" werden und bei den konventionellen Discountern einkaufen. Doch ich bin davon überzeugt, dass dies nur eine kurze Übergangsphase sein wird. Weshalb?

Wir stehen vor einer umwälzenden Situation: Das Öl hat weltweit gesehen, die Spitze der Fördermenge erreicht und wird sich nun mehr und mehr verteuern (Preise bis 250 Dollar pro barrel werden vorausgesagt). Niemand will sich auf genaue Angaben festlegen, zu groß sind die daran hängenden Wirtschaftsinteressen. Doch eins ist sicher: Transport wird teurer und - um beim Thema zu bleiben - auch die Herstellung chemischer erzeugter Stickstoffdünger (zur Zt. verbraucht die konventionelle Landwirtschaft 1 % des Weltölverbrauchs für Stickstoffdünger; 0,6 - 1 Ltr. Öl/kg Stickstoff; s. hier). Damit gerät die konventionelle Chemiedüngung in Bedrängnis. Vor allem erwächst ihr nach und nach Konkurrenz durch ein Produkt, das neben den hofeigenen Mist- und Gülledüngern preislich nun immer attraktiver wird: Kompost. So wird es unweigerlich über den Preis zu einer Annäherung zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft kommen.

Ein Beispiel noch unter wenigen, für Unternehmen, die Zeichen der Zeit erkannt haben und allen Landwirten in großem Stil Kompost für die klimaneutrale Produktion zur Verfügung stellen wollen, ist das niederländische Unternehmen soils & more, Tochterunternehmen des Naturkosthändlers eosta (s. Pressemeldung). Ich finde es spannend wie die CMC-Methode der Lübkes, die ja auf Pfeiffers Erbe beruht und durch deren kontinuierliche Weiterentwicklung heute als wirklich ausgereifte Komposttechnologie für den weltweiten Raum zur Verfügung steht, nun zum Zuge kommt. Diese jahrzehntelange Vorarbeit gewinnt nun durch die Ölverknappung eine riesengroße Verbreitung. soils & more ist dabei Großanlagen zur Kompostierung in der ganzen Welt zu installieren. Dies zeigt wie auch unter dem Aspekt der Klimarelevanz dem Kompost noch eine große Zukunft bevor steht. Viele stiefmütterliche Falschbewertungen werden durch die Praxis widerlegt werden.

Weblinks
www.eosta.com
www.dradio.de
www.natureandmore.com
www.klima-aktiv.com



Kompost oder Biogas


Vor dem Hintergrund der Verknappung von Öl laufen derzeit stärkste Anstrengungen die fossilen Energievorkommen durch regenerative Energien zu ersetzen. Der wichtigste Bio-Treibstoff ist Bio-Ethanol, der in Übersee aus Zuckerrohr gewonnen wird. In Europa auch aus Weizen, Zuckerrüben und anderem. Außerdem hat Bio-Diesel aus Raps in Europa Bedeutung (in südlichen Ländern vielleicht auch bald Jatropha). Für diese Bio-Treibstoffe werden riesige Flächen Urwald (tropisch wie boreal) kahlgeschlagen und mit den Monokulturen ausgelaugt. Damit tritt die Energiegewinnung in direkten Wettbewerb zur Lebensmittelerzeugung. Dies führt bereits heute zu Unruhen und Bürgerkriegen durch hungernde Menschen, die die steigenden Preise nicht mehr zahlen können.

Vor dem gleichen Hintergrund werden alle sich eignenden Bio-Abfälle wie Speisereste aus der Gastronomie, Frittierfette, Sammelgut aus Biotonnen, Klärschlamm in einem Gärprozess zur Bio-Gasgewinnung (z.B. in sogen. Faultürmen) eingesetzt. Für die Vergärung eignen sich weniger holzartige Stoffe. Die Vergärung wird bewirkt durch anaerob lebende Mikroorganismen, dass Methan oder andere Gase freigesetzten werden. Übrig bleiben Gärreste, die zwar schnell wirkenden Ammoniumdünger enthalten jedoch höchstwahrscheinlich im biologisch-dynamischen Verständnis vergleichbar der Mineraldüngung die Bodenkräfte abbauen. Vergleichen Sie hierzu den Essay von Edwin Scheller in Lebendige Erde (Biogas im organischen Landbau: ein Problem?)
Überkapazitäten und hohe Renditeerwartungen von Betreibern von Vergärungsanlagen führen heute zu immer stärkeren Wettbewerb um Bio-Abfälle.


Quelle: www.kompost.ch.../CM_2_07.pdf , S. 2

Damit können wir heute feststellen, wie sich sowohl im Pflanzenanbau als auch im Bereich des Bio-Abfalls ein exorbitant wachsender Wettbewerb um biogene Stoffe bzw. um Anbaufläche aufbaut. Ob sich der Druck verkleinert, wenn es einmal der Forschung gelingt, Mikroorganismen für die Vergärung von Zellulose zu Alkohol zu finden, bleibt als eine Zukunftsfrage noch offen (s. www.bio-pro.de). Noch gibt es erst Versuchsanlagen in Kanada, die Stroh umsetzen können. Doch wieder bleibt die Frage des Wertes der Gärreste aus Zellulose, die wohl einseitiger sein werden als bei der sonstigen Vergärung. Vielleicht ist ja die Gasgewinnung aus der Pyrolyse und dem nachfolgenden Holzkohle-Einsatz viel sinnvoller als die Vergärung, da - wie unter Terra preta beschrieben - der Holzkohle ein starkes bodenbildendes Potential zukommt. In diesem Rahmen sind auch die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse der hydrothermalen Karbonisierung zu nennen, die ähnliche Perspektiven für Bodenaufbau und CO2-Bindung bietet, wie die historische Terra preta (vgl. wikipedia.org).

Kompost oder Biogas hat die gleiche Brisanz wie Nahrungspflanzen oder Energiepflanzen. Beide Begriffspaare stehen für komplexe, vielschichtige Polaritäten des menschlichen Lebens . Diese Pole berühren gleichermaßen Existenzängste wie Gewinnaussichten. Sie haben technische, soziale und biologische Aspekte. Beide Polaritäten sind sachlich verwandt, da in beiden letztlich Wettbewerb um Bodenfläche entsteht ohne die auch biogene Abfallstoffe nicht entstehen können.

Soviel es auch menschlichem Geist durch Forschung und Wissenschaft gelingt diesen Wettbewerb - Nahrung oder Energie - zu mildern. Er wird ganz wesentlich mitentschieden durch uralte soziale Fähigkeiten: verzichten - teilen - füreinander arbeiten. Sie können noch so viel CO2-Zertifikate gekauft haben, es bleibt schlicht eine Unmenschlichkeit, wenn Sie in Zukunft für einen Autofahrt Bio-Ethanol verbrauchen, das von Pflanzen aus Ländern stammt, wo Menschen Hunger leiden.

Es ist auch die Frage danach, was die Basis des Lebens ist, was ist substituierbar, was muss ich unbedingt zum Leben haben: Eine Fernreise und manche Industrieproduktion ist ersetzbar, sauberes Wasser und Brot nicht. Da möchte ich auch Germanwatch aus dem o.g. Artikel ergänzen: Die globale Betrachtung muss nicht allein auf dem Gebiet der Bio-Kraftstoffe kommen, nein auch auf dem Gebiet Bio-Gase. Erst eine weltweite Ökobilanz, kann zeigen, dass die Vergärung einer schleichenden globalen Bodenauslaugung gleichkommt. Es ließe sich einwenden, dass die Vergärung doch das Mittel der Wahl ist in engen Siedlungsbereichen. Vielleicht macht das "Verfaulen" von Bio-Abfall und Ausscheidungen (Faultürme der Vergärung) auch innerlich faul, der kunstvoll organisierten, globalen Nahrungserzeugung auch eine kunstvoll organisierte Kompostierung beizufügen. Wenn durch und mit den Menschen biogene Stoffe im städtischen Siedlungsbereich konzentriert anfallen, dann sollte - wenn der Humusabbau nicht weiter gehen soll - die Kompostierung Priorität haben. Der sich ergebende Kompost darf allerdings nicht zur Überdüngung von ungenutzten Siedlungsflächen führen, sondern soll auch Anwendung auf Kulturflächen finden.

Dann wird sich ein Grundcharakteristikum zeigen, das mit der Kompostierung zusammenhängt: In der Dezentralisierung der Nahrungserzeugung wie auch in der Kompostierung der Abfallstoffe liegt die beste Ökobilanz. Sofern aber weniger Energie für Transporte aufgewendet werden soll, muss die städtische Lebensweise dieser Dezentralisation folgen und der Trend zur Stadtflucht muss umgekehrt werden. In der Welt nach dem Öl (post peak oil) werden dezentrale Stoffekreisläufe existenziell sein.

Schließlich will ich auf die soziale Frage dieser Polarität Nahrung bzw. Kompost versus Energie eingehen:
Sie geht auf eine ältere Polarität zwischen Landwirtschaft und Industrie zurück. Beides sind Pole des Wirtschaftslebens, der eine mehr vom menschlichen, rationalen Geist bestimmt und der andere mehr von der Natur. Von je her beruht alle industrielle Produktion auf einem Kredit der Landwirtschaft. Nur wer nicht für seine Nahrung unmittelbar am Boden arbeiten muss, kann sich andern Aufgaben zuwenden. Arbeitssparende Technik unter Einsatz von Energie sind die Ergebnisse dieses Kredites. Eine Tatsache ist aber auch, dass die heutige moderne Gesellschaft diesen "Kredit" der Urerzeugung leicht übersieht und das industrielle Prinzip bis in die letzten Naturgebiete ausdehnen will. Doch die Natur funktioniert eben nach ganz anderen Grundsätzen, als die Industrie, wovon Landwirte alten Schlages noch überzeugt waren.

Den jüngeren Landwirten wird jedoch die industrielle Arbeitsweise als allein mögliche Richtung nahegelegt, dass auch sie letztlich wie die Industriebosse denken und sich nicht mehr als Treuhänder der Natur verstehen. Der moderne Landwirt entwickelt damit eine der Industrie ähnliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Produkt und bedient nur noch die Nachfrage mit der größten Renditeaussicht. Damit aber zehrt die industrielle Wirtschaftsweise den größten und letzten Kredit auf, den die Erde hat: die Bodenfruchtbarkeit, aber auch unberührte Naturräume, die für eine Durchmischung des Lebens notwendig sind.

Es ist eben eine große Illusion, dass der Marktmechanismus gelenkt von Bedarf und Rendite die Polaritätsfrage Nahrung oder Energie für die ganze Erde, für die Menschheit, gerecht und zugleich sachbezogen lösen wird. So finde ich es auch vor dem Hintergrund der Dreigliederung ganz richtig, wenn Bürger und Naturschutzverbände eindeutige politische Rahmenbedingungen fordern, die die Wirtschaft eines Landes zu der Priorität der Nahrungsmittelversorgung seiner Bevölkerung verpflichten (s. greenpeace in Österreich ).

Ob sich die EU auf diese Linie einlassen wird ist fraglich. Doch gerade die starke wirtschaftsliberale Ausrichtung der EU-Politik könnte in Zukunft am Bestand dieses Staatenbundes rütteln. Die Menschheit steht vor einer großen Entwicklungsaufgabe das Ende des Ölzeitalters zu verkraften, was neben anderen Voraussetzungen auch demokratische Mitbeteiligung aller Menschen voraussetzt. Wenn schon der EU-Verfassungsprozess von dirigistischen, verklausulierten, intransparenten Politikgehabe nur so strotzt, wie soll es dann erst mit dem EU-Politikalltag weitergehen. Die EU darf nicht zu einem "Werkzeug" der Wirtschaft verkommen, sondern sie sollte an einer globalen Rechtsordnung mitarbeiten, die einer globalen Wirtschaft die menschenwürdigen und naturerhaltenden Rahmenbedingungen vorgibt. Das wären ihre demokratisch zu gestaltenden Aufgaben.

Das Marktprinzip ist aus globaler Sicht kein nachhaltiges Prinzip, denn es funktioniert nur im Dienste des Eigennutzes. Die Nachölära fordert ein altruistisches Prinzip, das dem Heil der ganzen Erde dient. Gute Erde für alle! Bodenaufbau über vermehrte Kompostgaben dient allen. Es ist ein Mosaikstein im Katalog der Möglichkeiten. Weitere Steine sind der Verzicht auf Energieverbrauch durch Verminderung von Konsum. Es geht nicht um völligen Energieverzicht, nur solange Konsum in bestimmten Gebieten Hunger und Naturverbrauch in anderen Gebieten zur Folge hat, muss die Politik "auf die Bremse treten". Es darf doch nicht sein, dass Bio-Abfall vergoren wird und versucht wird den Verlust an Humusgehalt und Fruchtbarkeit durch energieaufwendige Mineraldüngung auszugleichen. Es darf doch nicht sein, dass neue, biologisch abbaubare Kunststoffe als Einweg-Getränke-Verpackung angeboten werden, noch dazu z.B. aus gentechnisch erzeugter Maisstärke, die nachhaltigere Mehrweg-Systeme kaputt machen. Diese und andere Fragen müssen politisch und nicht über den Markt gelöst werden, ohne eine rechtliche "Bremse" treibt die Wirtschaft Raubbau an der Erde.


Menschendünger


Der hohe Wasserverbrauch der Industrieländer ist auch mitbedingt durch die Monopolstellung der Schwemmkanalisation bzw. der Wassertoilette beim verschwenderischen Verbrauch von Trinkwasser für den Abtransport menschlicher Ausscheidungen:

"Wasserklosett: Aus 1.000 Gramm Scheiße wird 50.000 Gramm Unrat-Gift. Humusklosett: Aus 1.000 Gramm Scheiße wird 50 Gramm Rohstoff-Gold.“ aus "Scheiße wird zu Gold" Friedensreich Hundertwasser, Wien 1975


"Wir haben zwei heilige Kühe in unserer Kultur: das Auto und die Spültoilette, von denen wollen wir uns nicht trennen, aber so zerstörend die heiligen Kühe, denn die Spültoilette ist eine Katastrophe für den Planeten."Permakultur-Aktivist Joe Polaischer ( Februar 2008)


Dieser Zustand wird sich nicht mehr lange aufrechterhalten lassen, denn Wasser wird weltweit immer knapper. Vielleicht mag mancher kommunale Wasserversorger da widersprechen, denn wir Deutschen sind relativ sparsame Wasserverbraucher, doch die Gesamtvorteile der Kompost-Toiletten überwiegen auch in Deutschland gegenüber Wassertransport und Klärschlamm-Entsorgung. Auch hier kann eine sinnvolle Ausweitung der Komposttechnologie Lösungen bieten, ohne dabei heute erreichte Hygienestandards zu unterschreiten. Voraussetzung dafür sind aber wegweisende politische Entscheidungen und Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen, so z.B. schreiben Länderbauordnungen noch zum Teil Wasserspülung für Toiletten und Anschlusszwang an die Wasserentsorgung vor.
Im Gegensatz dazu sind bestimmte Trockentoilettensysteme z.B. in ganz Skandinavien durch Gesundheits- und Umweltministerien zugelassen.(hier) Hier ist es interessant festzustellen, dass wieder Mikroorganismen bei einer effizienten Verrottung (nur wenige Male im Jahr zu leeren) in verschiedenen Systemen eingesetzt werden. Ebenso spielen sie in den Schilfkläranlagen oder Klärteichen eine Rolle bei der biologischen Abwasserreinigung, die ja inzwischen auch den "Kinderschuhen" entwachsen ist.

Wichtig ist dann auch, dass der entstehende Menschendünger aus den Trockentoiletten nicht mittelbar in kurzer Nahrungskette und schon gar nicht unmittelbar als Dünger für menschliche Nahrungsmittel eingesetzt wird. Früher konnte es den Chinesen dank vielfältiger Ernährung weniger anhaben, wenn Schweine mit menschlichen Exkrementen gefüttert wurden. Deren Exkremente gelangten dann als Dünger auf die umliegenden Felder. Was in der alten chinesischen Landbautradition eine lange Praxis hat, kann unter heutiger Bevölkerungsdichte Probleme bereiten. Heute muss dies anders gemacht werden:

"Gerade in jüngster Zeit wurden diese short-cut-Kreisläufe in Zusammenhang mit SARS stark in Frage gestellt. In diesem Jahrhundert wurden in Ecovillages diese Systeme jedoch weiterentwickelt, die Nährstoffe werden nun kaskadenartig über mehrere Stufen genutzt, von Wasserpflanzen, über Fische und Schweine bis hin zum Reisfeld. Die Gefahr der Seuchenepidemie ist dabei nicht mehr größer als bei unseren Kläranlagen..."Dr. Johannes Heeb aus "Nachhaltige Polykulturen..."


Ich finde in dem Zitat das Bild der Kaskade ausgezeichnet, denn ein ähnliches Bild ergibt sich mir in der Welt des Edaphons, überhaupt in der Welt der Mikroorganismen: Eine wohl organisierte Abfolge von Stoffwechselprodukten einer Art, die wieder Nahrungsgrundlage für eine andere Art von Lebewesen ist. Ein Geflecht aus Wechselbeziehungen, in denen die einzelnen Arten ganz spezifische Abbau- oder Aufbaufähigkeiten zeigen:



Dieses Bild aus der Mikrowelt kann auch ein Muster für die Makrowelt sein. Zum Beispiel für die Frage aus dem vorherigen Abschnitt - soll Nahrungs- oder Energieerzeugung vorrangig sein. Dies führt zu einer Vision, die eine Gruppe von Wissenschaftlern als "Bio-Cascading" bezeichnet:

"MACKWITZ:...Beim nachhaltigen Bio-Cascading geht es immer um eine vernetzbare Vielfachnutzung. Wir sollten das immer so halten, dass wir die reichlich vorhandene Biomasse zunächst intelligent stofflich nutzen; erst danach sollten wir an eine kluge thermische Verwertung, besser noch zunächst an eine anaerobe Fermentierung zu Biogas denken.

FRAGE: Dies alles geschieht ja bereits. Aber punktuell. Deshalb sprechen wir an dieser Stelle zugleich von einer Vision. Nämlich von einer Wirtschaftsform, die netzwerkartig organisiert ist, wo es eine kaskadenhafte Nutzung der Stoffe gibt. Also im Grunde ein ganz anderes Bild als das heutige.

MACKWITZ: Ja, weil hier mit kluger Biotechnologie ohne Gentechnik und mit Green Chemistry gearbeitet wird. Das Erdölzeitalter nähert sich seinem Ende mit Riesenschritten, "Peak Oil", die Überschreitung des Fördermaximum ist in den meisten Ländern bereits Realität. Anstatt diese Tatsache zu leugnen und sich aus der Verantwortung davonzustehlen, wollen wir mit den Pflanzen der Welt eine neue Symbiose eingehen. Mit den Ergebnissen der Photosynthese verfügen Naturstoffchemiker über innovative und nachhaltige Ressourcen für eine Zukunft, für die es sich lohnt weiter zu forschen und mit gutem Gewissen den Beruf des Chemikers und des Biotechnologen auszuüben. Voraussetzung dabei ist, dass dabei Verarbeitungsstrategien zum Zuge kommen, die etwa mit den Grundsätzen der Fabrik der Zukunft kompatibel sind. Unser Innovationsziel bedeutet hier konkret mit den Rohstoffen von morgen auch die Produkte von morgen auf nachhaltige Weise herzustellen. Im Grundsatz bedeutet das, dass der Kohlenstoffkreislauf möglichst konsequent geschlossen bleibt. Und dass möglichst keine neuen Quellen für anthropogene Treibhausgas-Freisetzungen freigelegt werden..."www.faktor-x.info


Dem kann ich nur zustimmen: Die Fabrik der Zukunft unterliegt dem globalen Erfordernis, den Kohlenstoffkreislauf möglichst konsequent geschlossen zu halten. Wer aber das übergeschäumte Transportswesen aus der verschwenderischen Ölära zum Maßstab für eine Energieerzeugung aus Biomasse machen will, der verkennt die Abhängigkeit allen Lebens von der Fruchtbarkeit des Bodens und von der Vielfalt in der Natur insgesamt. Herr Mackwitz zeigt mit seinem Institut Alchemia-nova, dass die stoffliche Nutzung noch ein großes Potential birgt, energieaufwendigen und umweltbelastenden Konsum zu minimieren und zu ersetzen. Die Kompostierung ist im Rahmen der stofflichen Nutzung nur ein einzelner Baustein, aber ein wichtiger.




Anhang:




Bakterien als Kompoststarter



Ich finde die Arbeit von Dr. Ehrenfried E. Pfeiffer auf diesem Gebiet erstaunlich und informativ, weshalb ich mir erlaube, aus seinem Buch "Anleitung für die Kompostfabrikation aus städtischen und industriellen Abfällen", 1957, (ab S. 32ff) das Kapitel über den Einsatz eines von ihm entwickelten Bakterienpräparates in der Kompostherstellung hier wiederzugeben:

DIE BAKTERIOLOGISCHE BEHANDLUNG

Der Abbau und die Umwandlung der organischen Abfälle erfolgt in zwei Stufen:
1. Eigentliche Abbaustufe,
2. Aufbau neuer organischer Substanzen und Humusbildung.

Abgebaute organische Substanz ist noch nicht Humus. Dies muß immer wieder betont werden. Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den beiden Stufen in bezug auf die Qualität und das Verhalten der Komposte, selbst wenn die rein chemische Bestimmung von NPK gleiche Zahlenwerte gibt. Der Einfluß auf den Boden und das Wurzelwachstum ist verschieden.

Stufe 1:
Der Abbau der ursprünglichen Substanz kann so geleitet werden, daß der faule Geruch verschwindet, die schleimige Konsistenz nasser Müllgärung aufgehoben wird und jedenfalls die Struktur der Ausgangsmaterialien verändert ist. D. h. statt einer Fäulnis kann man eine Gärung haben, die insbesondere bei Heißgärung in kürzerer oder längerer Frist zu einem "Kompost" führt. Dieses Produkt kann man häufig in Stadtmüllverwertungsanlagen sehen. Es wird je nach Ansehnlichkeit verkauft, nur "abgeholt" oder findet keinen Abnehmer. Es ist in den meisten Fällen durch Zufallsgärung entstanden. Manche Stadtverwaltungen sehen bereits in dieser "Gärung" eine Zweckbestimmung, da dadurch das Volumen der Müllhalde verringert wird.

Stufe 2:
Sie entsteht aus dem Produkt der Stufe 1 dadurch, daß andere Organismen überhandnehmen, die aus den Bausteinen der abgebauten ursprünglichen Verbindungen neue aufbauen. Im Verlaufe dieses Umbaus entsteht allmählich Humus. (Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Begriff Humus in USA und Deutschland in etwas verschiedenem Sinne gebraucht wird.)

Das Endprodukt des Stoffwechsels der Organismen der zweiten Gruppe ist Humus. Diesem Humus allein ist die günstige, die Bodenfruchtbarkeit erhaltende Wirkung der organischen Substanz zuzuschreiben. Aus dieser allein kann dann im Boden der Dauerhumus entstehen, während die Stufe 1 nur unstabile, vergängliche Produkte liefert, die gerechterweise nicht den Namen Humus verdienen. Wenn daher von nun an das Wort "Humus-Kompost" in diesen Ausführungen gebraucht wird, ist damit das Produkt der Stufe 2 gemeint, während für die Stufe 1 der Begriff Rohkompost gebraucht werden soll. Stufe 1 ist Vor-Verdauung, Stufe 2 ist End-Verdauung.

Es gibt nun noch eine dritte Phase. Hier werden die Humus-Komposte unter Verlust an organischer Substanz und vielfach auch an Stickstoff noch weiter abgebaut. Diese Komposte werden dann erdig; sie mineralisieren. Chemisch gesehen haben sie einen geringeren Gehalt an organischer Substanz und einen höheren Gehalt an Asche. Diese Erdkomposte sieht man am häufigsten in Gartenbetrieben und in der Landwirtschaft, wo Komposthaufen ein halbes bis zwei Jahre liegen bleiben. Es ist dies jenes Produkt, das man volkstümlich "Kompost" nennt. Der organische Substanzgehalt, der durch chemische Methoden (Veraschung oder Oxydation) festgestellt wird, liegt bei Stufe 1 und 2 zwischen 18 und 50 %, bei Stufe 3 (Erdkomposte) zwischen 8 und 18 %. Vielfach sind solche Komposte der dritten Art nurmehr gute Humuserden. Der Stickstoffgehalt der letzteren liegt zwischen 0,5 und 0,8 %. Die Gärung so weit gehen zu lassen, ist für die Herstellung eines Handelsproduktes nicht wirtschaftlich. Früher wurde vielfach dieser Erdkompost als das Ideal der Garten- und Feldkompostierung angesehen. Der Verfasser kann dem heute nicht mehr zustimmen, da dabei zu viel organische Stoffe verloren gehen. Die Kompostdüngung soll den Boden nicht nur mit stabilen Humusstoffen versorgen (Dauerhumus), sondern auch mit biologisch umsetzbaren organischen Substanzen (sogenannter Nährhumus). Nur zu gewissen Zwecken, z. B. zur Weidedüngung, auf Rasen, bei empfindlichen Leguminosen, hat dieser Erdkompost seine Bedeutung, auch überall da, wo der Kompost als Kopfdüngung gegeben wird und nicht untergearbeitet werden kann. Selbstverständlich bestimmt auch die Bodenbeschaffenheit, welche Art von Kompost angewendet wird. Erdkompost enthält viel unorganisches, passives oder inertes Material, wenn er auch während einer bestimmten Phase seiner Rotte einmal weitgehend mit Regenwürmern durchsetzt gewesen sein mag. Qualitativ ist natürlich gegen die Erdkomposte nichts einzuwenden.
Die einzelnen Phasen sollen nun genauer beschrieben werden:

1. Der Abbau
Zahlreiche Kleinlebewesen in Luft, Wasser, Staub, Schlamm und Erde greifen die tote organische Substanz an und verdauen sie. Kohlehydrate, die bei den meisten organischen Abfällen die Hauptmasse darstellen, werden über verschiedene Zwischenstufen, wie organische Säuren usw., zu CO, und H2O abgebaut, Eiweißstoffe zu Aminosäuren, Aminen und schließlich Ammoniak, CO, und H2O. Andere stickstoffhaltige Verbindungen, wie Harnstoff, liefern ebenfalls NH3. Dieses kann unter aeroben Bedingungen zu Nitrit und Nitrat oxydiert werden. Unter ungünstigen Rottebedingungen entsteht elementarer Stickstoff, der als Verlust zu betrachten ist. Zu unterscheiden ist zwischen aerobem und anaerobem Abbau. Letzterer liefert Methan, die schwefelhaltigen Verbindungen (Eiweißstoffe) werden zu H2S reduziert. Unter aeroben Bedingungen entstehen aus den schwefelhaltigen Stoffen Sulfate. Damit sind nur die wichtigsten Endstufen des Abbaus genannt. Enzyme, Wirkstoffe, antibiotisch und symbiotisch wirksame Stoffe entstehen als intermediäre Produkte. Ihre Bedeutung ist heute noch wenig im einzelnen erforscht. Es ist wahrscheinlich, daß ihnen eine große Bedeutung für das Pflanzenwachstum und Bodenleben zukommt und daß die günstige Wirkung einer organischen Düngung z. T. auf solchen Zwischenprodukten beruht. Allerdings kann eine günstige Wirkung nach den bis jetzt vorliegenden Erfahrungen nur dann erwartet werden, wenn es gelingt, die Gärung unter mäßig aeroben Bedingungen, bei mittlerer Feuchte und Wärmeentwicklung zu halten. Aufgabe des Kompostmeisters ist es, diese Bedingungen einzuhalten. Dann werden nämlich auch unnötige Verluste an organischer Substanz (CO,) vermieden sowie die Bildung unerwünschter Stoffe wie N2 und H2S. Diese Ausführungen beziehen sich auf den Abbau im Komposthaufen. Neuerdings führen sich bekanntlich auch Verfahren ein, die Methan als ein Ziel der Gärung wirtschaftlich herstellen. Immerhin sollte der dabei resultierende Gärschlamm einer Nachbehandlung unterzogen werden. Wenn der Abbau an irgendeiner Stelle unterbrochen und die Zwischenprodukte festgehalten werden können, ist von einer Stabilisierung zu sprechen. Es kann eine solche in jeder der drei Phasen stattfinden, doch ist das Produkt derselben in jedem Falle völlig verschieden in Bezug auf seinen biologischen Düngerwert auf den Boden. Stickstoff liegt in dem stabilisierten Produkt als "organischer" Stickstoff und z. T. als Nitrat vor. Solange Ammoniak frei gesetzt wird oder andere starke Geruchstoffe wie Skatol, Indol oder Merkaptan auftreten, ist diese Stabilisierung nicht erreicht.

In der Natur finden diese Prozesse über kürzere oder längere Zeiträume hin statt - auch ohne die helfende oder störende Hand des Menschen. Komposte dieser Art werden seit Menschengedenken hergestellt, d. h. sie existieren, seit es Pflanzen und Tiere gibt. Bei tierischen Misten findet die erste Stufe im Verdauungskanal statt, während die weiteren Vergärungen dann bei der Mistverrottung stattfinden. Viel kann von diesen Verdauungsvorgängen gelernt werden. Im tierischen Organismus, insbesondere im Pansen der Wiederkäuer, hat man das Vorbild eines anaeroben Vorganges.

Wegen der Verschiedenheit der Nahrungsstoffe und der Ausbildung des Verdauungsapparates, verläuft der Abbau bei den Wiederkäuern und Pferden anders als beim Menschen, den Raubtieren und dem Schwein. Daher die Qualitätsunterschiede der Miste, so daß sogar der etwas niedrigere Stickstoff- und Kaligehalt des Rindermistes doch eine bessere boden- und humusbildende Kraft hat als Fäkalien und Schweinemist, die etwas mehr N und K enthalten. Vom biochemischen Gesichtspunkt aus müßte man bei aus Pflanzenresten hergestellten Komposten eigentlich von "Pflanzenmisten" sprechen, solange nur die Abbaustufe 1 erreicht ist. Mit anderen Worten: mit Hilfe von Mikroorganismen und Enzymen werden die organischen Abfälle im Rohkompost vorverdaut. Der Vorgang ist mit der Darmverdauung z. T. zu vergleichen, solange er anaerob ist, oder er geht seine eigenen andersartigen Wege, wenn er aerob ist. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß die tierischen Exkremente darüber hinaus Stoffe enthalten, die in den Verdauungstrakt ausgeschieden wurden, bzw. von der Pansen- und Darmflora stammen. Die Vorverdauungsprodukte der anfänglichen Kompostgärung haben unter Umständen einen rasch wirkenden Düngerwert, da sie weiter zerfallen und vor allem bewegliche Stickstoffverbindungen haben. Ein Dauerhumus kann nicht gebildet werden. Es ist wichtig einzusehen, daß auch die Anwendung von frischem Mist in der Landwirtschaft niemals zu Dauerhumus führen kann, sondern nur zu Verlusten. Die Verwendung von frischem Mist - im Glauben, daß man damit im Boden Humus aufbaut - war ein verhängnisvoller Irrtum. Insbesondere wird frischer Mist weder auf leichten, sandigen Böden, noch auf solchen mit einem Kiesuntergrund, d. h. auf stark durchlüfteten Böden, zur Bildung von Dauerhumus führen. Von Komposten dieser Art braucht man bedeutende Mengen pro Flächeneinheit, z. B. 25 bis 35, u. U. sogar bis zu 75 oder 100 Tonnen pro ha, um überhaupt einen sichtbaren Erfolg feststellen zu können. Es ist klar, daß solche Komposte keine Handelsware darstellen, die sich sackweise verkaufen läßt, da man ja zu große Mengen mit zu hohem Wassergehalt verfrachten muß. Wenn der Landwirt frischen Stallmist aufs Feld führt, enthält die Ladung 80-85 % Wasser oder, was manchem mehr sagt, 800-850 Liter Wasser pro 1000 kg Mist. Die Kenntnis der Arbeiten von Scheffer und U. SPRINGER über stabile Humusstoffe und die Unterscheidung Scheffers zwischen "Nährhumus" und "Dauerhumus" ist eine selbstverständliche Voraussetzung für das Verständnis dieser Vorgänge.

Abbauprodukte der ersten Stufe enthalten vielfach übelriechende Fäulnisstoffe, die vorwiegend von den anaeroben Vorgängen herrühren. Man braucht kein Chemiker zu sein, um diese zu "riechen". Diese Fäulnisprodukte sind recht stabil, zerfallen nicht unbedingt im Boden und können von den Pflanzenwurzeln wieder aufgenommen werden. Man riecht sie dann mit den Dämpfen die aus dem Kochtopf aufsteigen, wenn die mit frischen Stallmist gedüngten Kartoffeln oder Kohl gekocht werden. In meiner Jugend hat man vielfach gedacht, das müßte so sein. Bei richtig produzierten Komposten treten derartige Gerüche beim Kochen nicht auf.

Zahlreiche Kleinlebewesen nehmen an der ersten Phase teil. Dazu gehören alle Darmorganismen, B. coli, B. proteus, B. faecalis; kurz, ein großer Teil der Gruppe gramnegativer Organismen und Mikrokokken, sowie Diphteroid- und Vibrio-Arten nicht pathogener Natur. Es gehören dazu aber auch viele pathogene Organismen, z. B. Dysenterieerreger. In der Gruppe der anaeroben Keime finden sich zahlreiche Bakterien, Clostridium-Arten und andere, die nicht nur pathogen sind, sondern auch giftige Nebenprodukte erzeugen. Diese sind am meisten bei bestimmten Vergiftungen wie Botulismus und Tetanus gefürchtet (Tetanus macht sich durch den typischen Geruch im Pferdestall bemerkbar). Die Entwicklung dieser Organismen sollte durch aerobe Wachstumsbedingungen im Kompost vermieden werden. Recht lästige Kleinlebewesen, die man vielfach in erdigen, schlecht durchlüfteten Komposten findet, sind die Gasbrand erzeugenden Organismen (auf nassen, schweren, mistgedüngten Lehmböden), sowie Tetanus (in mit Pferdemist gedüngten Gartenböden) und die pathogenen Bakterien der Vibrio-Gruppe in Indien. Alle diese können durch sorgfältige Kompostierung vermieden werden.

Der Kompostmeister interessiert sich besonders für Organismen, die Ammoniak, Nitrit, Nitrat, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff erzeugen. Diese Verbindungen entstehen notwendigerweise bei der Kompostrotte. Es kommt aber darauf an, daß nicht zuviel davon gebildet wird, da sonst unnötige Verluste an organischer Substanz (C) und auch Stickstoff (NH5, N,) zu verzeichnen sind. Ein Rohkompost ist häufig sauer, während ein Fertigkompost neutral reagiert. Bei zu sauren Komposten (pH unter 5,8) treten Hefegärungen auf, die ganz unerwünscht sind, auch Pilzbildung (echte und fungi imperfecti). Den letzteren kann insbesondere beim Zellulose- und Ligninabbau ein gewisser Wert nicht abgesprochen werden, doch ist damit immer ein Stickstoffverlust verbunden. Zahlreiche Bakterien, die beim Zerfall der Abfälle eine Rolle spielen, sind dem Bakteriologen bekannt. Noch mehr sind bislang unbekannt, d. h. nicht genau identifiziert. Allgemein kann gesagt werden, daß es für jeden Vorgang bestimmte, wohl definierte Organismen gibt, die mit den verschiedenartigsten Funktionen und Stoffwechselprodukten aufwarten. Dann kommen auch noch thermophile Bakterien in Frage, sowie eine lange Reihe von Hefen, Algen und tierischen Kleinlebewesen. Im Rahmen dieser Arbeit, die für den Praktiker geschrieben ist, brauchen wir hier nicht weiter in Einzelheiten zu gehen. Es genügt festzustellen, daß das wissenschaftliche Kompostlaboratorium mit allen Einzelheiten vertraut sein sollte.

Es besteht vielfach die Meinung, es gäbe so zahlreiche Bakterien allenthalben in der Natur, daß man keine besonderen Organismen als Starter dem Kompost zusetzen müsse. Man brauche nur die Abfälle zu zerkleinern, aufzusetzen und alles der Natur zu überlassen. So habe die Natur es seit Jahrtausenden gemacht, wenn auch langsamer. Wissenschaftlich genau ist aber eine solche Behauptung nicht. Nach diesen Prinzipien sind aber "moderne" Kompostanlagen gebaut worden. Die Richmond Experimental Station der Universität Californien propagiert diese Meinung und verhält sich, wie manche andere, ablehnend gegenüber den bakteriologischen und biochemischen Methoden: "man brauche sie nicht". In einer solchen Gesinnung können wir keinen Fortschritt sehen. Sie ist eigentlich ein Eingeständnis dahingehend, daß man noch nichts Neues auf dem Gebiet der Kompostfermentation finden kann. Gerade im Verständnis und der Handhabung bewußt geleiteter biologischer Vorgänge besteht aber der notwendige nächste Schritt. Erst dann kann das Ziel erreicht werden, Kompostieren zu einer Wissenschaft und durch diese zu einem rentablen Geschäft zu machen. Das Interesse des Landwirts und die Fruchtbarkeit seiner Böden wird nur dann gefördert, wenn nicht irgendwie abgebaute Abfälle verwendet werden, sondern wenn man Dauerhumus erzeugt.

Die Gesichtspunkte für die Einführung eines Kompoststarters sind daher kurz die folgenden:
  1. Das gesamte Gärungsgewerbe arbeitet mit besonders ausgesuchten und entwickelten Hefen. Manche haben sich "historisch" entwickelt, wie z. B. für Wein und Käse; manche werden auch ganz bewußt gezüchtet und in Reinkulturen dargestellt, wie die Bierhefe, die Hefen für alkoholische Zuckergärung und die Backhefe.

    Wenn diese reinen Hefen nicht unter ganz bestimmten Lebensbedingungen gezogen werden, entsteht das gewünschte Endprodukt nicht, der gesamte Herstellungsvorgang ist nicht wirtschaftlich. Unliebsame Nebenprodukte, unangenehme Geschmacks- und Geruchsprodukte entstehen. Es würde keinem Bäcker einfallen, den Brotteig sich selber zu überlassen, bis er gärt. Er will in kurzer Zeit nur die Gärung haben, die zu einem schmackhaften Brot führt. Er braucht dazu die beste Backhefe (oder Sauerteig). Für Weine, Bier, Käse sind bestimmte Lokalrassen von Gärungsorganismen gezüchtet oder haben sich durch natürliche Auswahl entwickelt, die sorgfältig gehütet werden. Für diese müssen bestimmte Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen eingehalten werden. Warum sollen wir als Komposter schlechter arbeiten als der einfachste Bäcker oder Brauer? Zum mindesten sollten wir die Lebensbedingungen der Organismen kennen, die Humus-Kompost erzeugen.
  2. Stoffe wie Ammoniak und Kohlensäure sind notwendige Produkte des Abbaus. Wird zuviel davon gebildet, dann bedeutet das unnötige Verluste an Stickstoff und Kohlenstoff. Im Interesse des Düngerwertes des Endproduktes und der Kosten ist es notwendig, den Gärungsvorgang so zu regeln, daß das gewünschte, hochwertige Endprodukt mit der bestmöglichen Düngerformel entsteht. Wenn das Endprodukt wesentlich weniger Stickstoff und Kohlenstoff (= organische Substanz) enthält als das Ausgangsprodukt, dann hat man nur Geld und Mühe verloren. Bei der Verbrennung von Müll geschieht dies in "eleganter" Weise: man spendet in USA z. B, im Durchschnitt $ 2.50 bis $ 3.50 pro Tonne Müll, um den Müll los zu werden und in Rauch zu verwandeln. Stickstoffverluste müssen - innerhalb praktischer Grenzen - möglichst ganz vermieden werden. Ein gewisser, jedoch nicht zu großer Verlust an Kohlenstoff ist notwendig und z. T. sogar erwünscht, da dadurch das C:N-Verhältnis eingeengt wird. Wir haben viele Komposte gesehen, die nur die Hälfte oder weniger des ursprünglichen Stickstoffs und Kohlenstoffs enthielten. All dies verlangt, daß man die Gärung bewußt zu leiten lernt und von vornherein Organismen einführt, die am vorteilhaftesten sind, um das Ziel der Werterhaltung und Qualität zu erreichen.

    Der B.D.-Kompoststarter ist ein wesentlicher Bestandteil des ganzen Kompostierungsverfahrens. Er enthält eine sorgfältig durch eingehende Untersuchungen erforschte und abgestimmte Mischung jener Organismen und Enzyme sowie Wirkstoffe, welche dazu beitragen, das Ziel in kürzester Frist zu erreichen.

    Die Organismen, die gebraucht werden, können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden: solche, die Ammoniak, Nitrit und Nitrat erzeugen. Solche, die Humus aus den Abbauprodukten aufbauen. Solche, die genügende Wärme entwickeln. Solche, welche wichtige Enzyme erzeugen. Diese Organismen, in genügender Anzahl zugeführt und mit den spezifischen Lebensbedingungen versehen, werden durch rascheres Wachstum die zufälligen, unökonomisch- Organismen überflügeln.
  3. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt für die Einführung bestimmter Organismen im B.D.-Kompoststarter ist die Tatsache, daß bei zufälliger Gärung auch schädliche, unerwünschte Beiprodukte auftreten können. Diese wirken u. U. gärungshemmend und machen wegen des üblen Geruches das Kompostieren in der Nähe von Siedlungen unmöglich. All dies muß vermieden werden.

Die 2. Phase - Die Humusbildung
Die Organismen, die wesentlich an der Humusbildung beteiligt sind, gehören vorwiegend in die Gruppe der sporenden und auch nicht sparenden aeroben gram-positiven Stäbchenbakterien, der stickstoffbindenden Bakterien und vor allem der Aktinomyceten und Streptomyceten. Alle diese Kleinlebewesen sind Bodenorganismen und können in den besten Humusböden der Erde gefunden werden. Man muß nur nicht im Vorgarten oder auf dem nächsten Feld danach suchen, sondern dorthin gehen, wo die Natur ihr Können am besten demonstriert und daran lernen. Den für die Verdauung von Zeitungspapier so außerordentlich wichtigen Organismus, einen Streptomyceten, haben wir z. B. in einem tropischen Boden gefunden. In einer russischen Arbeit wird beschrieben, daß einer der fruchtbarsten Böden der Ukraine, der 80 Jahre lang Weizenvollernten lieferte, einen Bakteriengehalt von 800 Millionen per Gramm hatte, unter welchen 80 °/s eine bestimmte Art von Azotobakter und der Rest Aktinomyceten waren.

Für den Kompostmeister ist es wichtig zu wissen, daß viele dieser humusbildenden Bodenorganismen im Vergleich zu den Abbauorganismen nur langsam wachsen. Azotobakter braucht z. B. 9 Tage, um sich zu entwickeln, d. h. unter 9 Tagen wird man kaum ein genügend starkes Wachstum haben. Damit scheidet das 48-Stunden-Kompostverfahren, das sonst möglich wäre, für die Stickstoffbildung aus. Manche dieser Organismen haben die unangenehme Eigenschaft, daß sie auf gebräuchlichen Laboratoriumsnährböden nicht wachsen wollen. Manche entwickeln sich nicht, solange abbauende Fäulnisvorgänge im Kompost vorhanden sind. Diese Schwierigkeiten mußten bei der Entwicklung des Starters überwunden werden. Es überschreitet den Rahmen dieser Schrift, diese Fragen hier in Einzelheiten zu behandeln. Auf jeden Fall empfiehlt sich der Zusatz von mindestens 10 % Erde zu den Kompostausgangsmaterialien, um diesen Kleinlebewesen einen Lebensbereich zu geben, bis der Abbau der anderen Stoffe so weit gediehen ist, daß sie den entsprechenden Nährboden abgeben können. Das Endprodukt dieser zweiten Phase ist dem natürlichen Humus ähnlich. Bei genauer Beobachtung kann man den Abbau aufhalten, bevor Komposterden entstehen. Häufiges Umwenden in der 1. Phase beschleunigt den Abbau, hindert aber die Entwicklung mancher Organismen der 2. Phase. Am besten entwickelt sich die zweite Gruppe, wenn eine Art "Absetzen" oder "Beruhigung" der ersten Stufe stattgefunden hat. Es sind ähnliche Vorgänge, wie sie auch im Boden stattfinden, wenn die erste stürmische Zersetzungsphase abklingt. Das Fingerspitzengefühl des Kompostmeisters, das durch vorausgegangene Studien eine exakte Grundlage erhalten hat, wird hier oft die Entscheidung zu fällen haben, wann ein Haufen zu wenden ist und wann nicht. Nach der ersten Erhitzungsphase erfolgt ein langsames Abklingen, eine stetige Wärmeentwicklung bleibt bestehen. Diese kann geraume Zeit nachhalten, der Komposthaufen fühlt sich an wie wenn man den Bauch eines Lebewesens betastet: eine elastische Oberfläche und doch fest, nicht hart verkrustet und nicht schwammig. Es treten dann auch Farbveränderungen auf. Braune Farbtöne lösen die gelben, grünen und gelbgrauen ab. Der Fäulnisgeruch im Innern verschwindet. Zunächst beobachtet man eine Art muffigen Geruch, etwas pilzartig, den man als "Kellergeruch" bezeichnen kann. Dieser ist jedoch von dem Essiggeruch der Hefegärungen zu unterscheiden. Saure und essigartige Gereicht zeigen einen ungünstigen Gärungsverlauf an. Das Material war dann zu naß und zu luftarm. In diesem Falle hätte man von vornherein etwas Kalk zufügen können.

Der würzig erdige Geruch, wie man ihn auf frisch gepflügten Ackerböden, insbesondere nach dem Regen oder an Waldböden beobachtet, ist der Anwesenheit von Aktinomyceten zu verdanken. Wenn dieser Geruch auftritt weiß man, daß man mitten in oder schon am Ende der Humusbildung ist. Diejenigen, welche seit Jahrzehnten mit den Präparaten der biologisch-dynamischen Methode gearbeitet haben, erzeugten Komposte, an denen die Phase 2 vorwiegend Anteil hatte. Bei den Komposten im Garten und Bauernhof spielt das Zeitelement keine so große Rolle wie bei der Stadtmüllverwertung, wo täglich große Mengen anrollen und schnellstens weiterverarbeitet werden müssen. Deshalb wurde ja, um die Gärungsfrist zu verkürzen, von zahlreichen Anstalten und Unternehmern das Hauptaugenmerk auf die Phase 1, die rasche Gärung, gelenkt und vielfach die Phase 2 (die gute alte Humusbildung) vernachlässigt oder übersehen.

Die Indore-Methode Howards, wie auch alle anderen Methoden, die mit häufigem Wenden, zwangsmäßiger Durchlüftung (Fraser-Eweson-Prozeß) oder mit durchlüfteten Gärungszellen arbeiten, wie manche der französischen und italienischen Verfahren, streben in der Hauptsache nur die erste Stufe an. Die starke Erhitzung und die dadurch bewirkte Veränderung sind ja auch ein augenfälligeres Schauspiel als die stille Tätigkeit der Azotobaktergruppe und der Humusbildner. Der Übergang von 1 zu 2 zeigt sich an einem Absinken der Temperatur und einem anderen Feuchtigkeitsgehalt. Doch darf dieser Übergang nicht zu früh erfolgen. Sinkt die Temperatur schon nach 2-5 Tagen plötzlich ab, so ist das allerdings das Zeichen, daß etwas schief ging. Dies kommt ab und zu vor. Auflockern, Umsetzen und evtl. Neubehandlung mit dem Starter ist dann angebracht. Sonst ist eigentlich - aus theoretischen und praktischen Gründen - ein häufiges Bewegen nicht günstig.

Es ist besser, die rechten Bedingungen gleich von vornherein herzustellen. Man denke etwa an die Tätigkeit der sog. Strahlenpilze, die das Material mit Tausenden von feinsten Fäden durchziehen und durchwachsen, Fäden, die biochemisch außerordentlich aktiv sind und die man nicht zu oft zerreißen und unterbrechen sollte. Man bewirkt durch zu häufiges Bewegen nur, daß diese Organismen das vegetative Wachstum einstellen und zur Sporung schreiten. Recht nachteilig wirkt sich öfteres Umsetzen auf die Besiedlung des Haufens mit Kleintieren aus, deren wertvolle Rolle bei der Kompostbildung gegenwärtig mehr und mehr erkannt wird. Man kann hierzu schon an den natürlichen Böden Beobachtungen anstellen. Ungestörte Böden wie im Wald, nicht zu nasses Dauergrünland, Ackerraine usw. besitzen ein viel reicheres Tierleben als Ackerböden, die regelmäßig bearbeitet werden und deren Hohlraumgefüge dauernd verändert wird.

Plötzliches Absinken der Temperaturen findet insbesondere im Anfangsstadium auch dann statt, wenn das Material zu naß war und nicht genügend Luft enthielt. Hier mag ein Stoßen von Luftlöchern in die Haufen helfen. Wo man mit viel Regen und nassem Material zu rechnen hat, empfiehlt es sich, die Haufen auf einer schrägen, geneigten Bodenfläche aufzusetzen. Merkwürdig gute Resultate werden erzielt, wenn der Haufen auf einer dachförmig in der Mitte erhöhten Unterlage aufgesetzt ist. Ist ein Haufen z. B. an der Basis 4 m breit, dann hilft eine Erhöhung des Bodenprofils in der Mitte um etwa 20 cm über die Außenkante. Ein anderes Verfahren hat längs der Mittellinie der Haufen einen 20 cm tiefen, 40-60 cm breiten Drainagegraben, der mit einem Stahlrost oder soliden Netz von kleiner Lochgröße überdeckt ist. Hier wird das überschüssige Wasser abgezogen und Luft durchgeführt. Man hat sogar die Möglichkeit, Preßluft durchzublasen. Eine solche, etwas kostspielige Anlage mag u. U. dort angebracht sein, wo man wenig Kompostfläche zur Verfügung hat oder im nördlichen, kalten Klima. Die Phase 1 wird dann wesentlich abgekürzt. jede Schräglage der Bodenfläche verbessert die Gärung. Im altgewohnten Kleinkompostbetrieb verwendet man die Strauchdrainage mit Reisigbündeln und Strohkaminen. Das ist im Großbetrieb nicht möglich, da die Reiser den Lademaschinen im Wege stehen. Auf jeden Fall sollte eine gewisse Drainage vorgesehen sein, um die überschüssige Flüssigkeit abzuziehen. Diese wird in einer Sammelgrube gesammelt und später auf die trockeneren Haufen zurückgebracht. Die Flüssigkeit ist außerordentlich nährstoff- und bakterienreich, sie sollte unter keinen Umständen verloren gehen. Trocknet der Haufen zu sehr aus, so steht die Gärung still. Unter 25-30 % Feuchtigkeit findet kaum, und unter 20 % keine Fermentation statt. Besonderes Augenmerk ist auf die Erscheinung des Austrocknens einer Schicht, etwa von 5-20 cm unter der Oberfläche, zu richten. Diese Schicht kann Pilzmycelien entwickeln, wenn sie am Beginn zu naß war. Auch die für die Papier- und Zellstoffzersetzung nötigen, im Starter befindlichen spezifischen Streptomyceten bilden ein dichtes Gewebe. Diese Organismen erzeugen viel Wärme, sie benötigen viel Wasser für ihre Tätigkeit. Die genannte Schicht trocknet dann rasch aus und verkrustet. Man kann dies äußerlich erkennen. Der Haufen dampft eine Zeitlang, anschließend entsteht dann ein grauer Anflug, der von Lufthyphen herrührt. Diese sollte man jedoch nicht mit Pilzfäden verwechseln. Die trockene, verkrustete Schicht bildet einen Hindernisgrund für das Eindringen von Wasser, Luft und für das Abdampfen von Wasser aus dem Kern des Haufens. In den meisten Fällen ist diese Schicht locker. Wenn sie kompakt wird, muß sie irgendwie durchstoßen werden. Über das graue, mehlige Aussehen braucht man sich nicht aufzuregen. Meistens ist diese Schicht sogar stickstoffreich. Beim Umsetzen oder späteren Weiterverarbeiten und Durchmischen des Kompostes verschwindet der graue Anflug.

Kleine Haufen zu Versuchszwecken bewegen sich in größeren Extremen zwischen naß und trocken und bedürfen einer häufigeren Kontrolle. Das Ideal ist, den Haufen mit einer dünnen "Haut", am besten mit Erde, leicht abzudecken. Dadurch wird eine bessere Gärung erzielt. Überhitzung und Austrocknen in heißer Sonne muß in jedem Falle vermieden werden. Die abdeckende Schicht braucht übrigens nicht stärker als 2-4 cm zu sein. Zu starke Abdeckung ist nicht vorteilhaft. Im Großbetrieb stößt das Abdecken auf Schwierigkeiten. Es ist ein besonderer Arbeitsgang dafür erforderlich, der Geld kostet. Oft ist keine Erde vorhanden. Man kann dann auch andere Materialien benutzen, wie klein geschnittenes Stroh (nicht vorteilhaft, wo viel Wind ist), Blätter, sogar Papier und vor allem die Reste, welche beim Plansichten des fertigen Kompostes übrig bleiben. Diese werden mit der Ladeschaufel des Ladegerätes darüber "geschüttelt". Dieser Arbeitsvorgang ist einfach. Mit einem Frontlader kann man einen Haufen von 100 Tonnen in wenigen Stunden abdecken.

Stickstoff kann in Phase 2 angereichert werden. Nach verschiedenen Versuchen ist eine 20-70%ige Erhöhung des Stickstoffgehaltes möglich, während bei unsachgemäßer Führung der Rotte oft ein Stickstoffverlust festgestellt werden kann. Die Änderung des Stickstoffgehaltes hängt von verschiedenen Umständen ab, insbesondere natürlich der Abnahme an organischer Masse (Kohlenstoff). Die Bindung von elementarem Luftstickstoff (echte Stickstoffanreicherung) ist experimentell nur bei sehr exakten Bilanzversuchen zu erfassen.

Vom praktischen Gesichtspunkt der Weiterverarbeitung aus gesehen, nämlich des Siebens, Aufladens, Trocknen und Versackens, läßt sich der Kompost der 2. Phase viel leichter handhaben als jener der 1. Phase. Er hält sich in Säcken leichter und läßt sich auch besser durch eine Maschine streuen.

Komposte können rasch von der Phase 1 in die mineralisierte Phase 3 übergehen, wenn nämlich wenig humusbildende Organismen vorhanden sind. Man kann diesen Vorgang eine innere Verbrennung oder Oxydation nennen. Hier geht häufig Stickstoff verloren (als NHg oder N0,-Stickstoff), auf alle Fälle aber viel organische Substanz (Kohlenstoff). Das Endresultat ist ein Kompost mit niedrigem Gehalt an organischer Substanz unter 16 %/t. Man kann viele Komposte dieser Art sehen, z. B. in Dänemark und Holland (V.A.M.). Die Anwendungsmenge per Flächeneinheit ist in solchen Fällen sehr hoch, z. B. 50 Tonnen per ha und mehr, wie aus der Literatur der betreffenden Hersteller hervorgeht. Einen solchen Kompost kann man nur schwer als Handelsware verkaufen, da das Hinausbringen aufs Feld zu langwierig und teuer wird. Häufiger verlangt man ein organisches Konzentrat. Der Landwirt berechnet die Anzahl von Fuhren, die er ausfahren und streuen muß. Dazu kommt noch die Verschlechterung der Bodenstruktur durch häufiges Darüberfahren.

Der B.D.-Kompoststarter enthält nicht nur ganz bestimmte Kleinlebewesen, sondern auch Enzyme und Wuchsstoffe. Diese werden teils zugesetzt, teils auch von den wachsenden Organismen selber erzeugt. Sie beschleunigen das Wachstum der Kleinlebewesen und den Abbau (Verdauung) der Ausgangsmaterialien. In der gesamten Literatur auf diesem Gebiet findet man noch relativ wenig über die Rolle der Enzyme. Es liegt hier ein großes Gebiet für künftige Forschung offen. Die Bedeutung der Wirkstoffe, die besser bekannt sind, aber vor allem der Enzyme, sollte nicht übersehen werden. Sie sind es ja, mit denen die Bakterien ihre Stoffwechselleistungen vollbringen.

Es ist bei der Kompostherstellung natürlich immer möglich, daß einmal der Zusatz des Starters nicht wirkt. Das kommt vor, wenn z. B. giftige Stoffe, wie Spritzmittel oder Desinfektionsmittel im Ausgangsmaterial enthalten waren. Chromhaltige Lederabfälle waren in einem solchen Falle störend. Zuweilen ging auch die anfängliche Erhitzung zu rasch und zu hoch, so daß eine Art Selbststerilisation eintrat. Ob Entspannungsmittel (die neuen, seifenlosen Waschmittel) einen störenden Einfluß ausüben, wie dies in Kläranlagen der Fall ist, konnten wir noch nicht ermitteln. Diese würden u. U. die schützende Fett- oder Wachsschicht mancher Organismen auflösen. DDT ist ein störender Faktor. Man kann beobachten, daß Regenwürmer frisch mit DDT bespritzte Blätter nicht angreifen; nach 2 Monaten erst beginnen sie diese zu verdauen. Stark chloriertes Wasser war in anderen Fällen störend.

Zu häufiges Wenden und Aufschütteln hindert manche Aktinomyeeten, welche ihre "Ruhe" zur Entwicklung haben wollen. Wenn die Haufen nicht groß genug sind, mindestens 5 ms, tritt ein gewisser Zustand nicht ein, den wir "inneres Schwitzen" nennen wollen. Dieser ist eine notwendige Bedingung für rasche und erfolgreiche Fermentation. Damit ist eine Art dämpfiger Zustand gemeint, wobei eine milde Wärme und mäßiger Wassergehalt die Vermehrung der Organismen und die Abbauvorgänge befördert. Insbesondere bei Holzabfällen ist es nötig, diese Dämpfigkeit zu erzeugen. Ein Austrocknen irgend einer Schicht des Haufens muß vermieden werden. Es ist erstaunlich, wie "durstig" Bakterien sind. Auf der anderen Seite soll keine Luftabschluß erzeugende Übersättigung mit Wasser vorliegen. Diese fördert die für Handelskomposte ungünstige anaerobe Gärung. In einem solchen Falle werden viele günstige Organismen einfach unterdrückt. Das "Schwitzen" mit Worten zu beschreiben ist schwierig. In der Praxis kann es leicht demonstriert werden. Man kann es einem Zustand warmer, feuchtigkeitsgesättigter Luft vergleichen, wie in einem zu feuchten Gewächshaus für tropische Pflanzen, wo verstärkte Schimmelbildung auftritt.

Das meiste über den B.D.-Kompoststarter wurde bereits gesagt. Hier seien die wesentlichen Gesichtspunkte zum Schluß nochmal zusammengestellt: Er enthält rasch wirkende Abbaubakterien, langsam wachsende, stickstoffbindende und humuserzeugende Organismen, Bodenorganismen aus der Gruppe der Aktinomyceten und Streptomyceten; schwefelwasserstofferzeugende Organismen befinden sich nicht darin. Gram-negative Bakterien, die den Darmbakterien verwandt sind, werden ebenfalls vermieden, von den anaeroben Bakterien sind nur wenige erlaubt, gerade so viele, daß sie sich im Kern des Haufens auswirken können. Nach unserer Zählmethode enthält dieser 20 000 Millionen und mehr Bakterien pro g von den aeroben Organismen, aber nur 10-100 Millionen anaerobe. 5-10 % der Aeroben sind Aktinomyeeten und Streptomyceten. Von allen verwendeten Organismen sind die biochemischen Reaktionen bekannt. Jeder Starter wird vor dem Verlassen des Laboratoriums auf seinen Gehalt und seine Gärfähigkeit durch Fermentationsversuche geprüft. Enzyme und Wuchsstoffe sind in geeigneten Mengen nach besonderen Verfahren zugesetzt. Ferner enthält der Starter gerade genügend Bakteriennahrung um das Anfangswachstum zu fördern, bis die Ausgangsmaterialien genügend abgebaut sind und dann selber als "Nahrung" dienen.

Schwierigkeit hat anfänglich das Problem der Trocknung und Haltbarmachung bereitet. Zunächst wurde ein nasser Starter als Bakterienkonzentrat hergestellt. Dieser verändert sich aber sehr rasch. Das ursprüngliche Gleichgewicht wird gestört. Wir lernten dann den Starter zu trocknen, ohne die Organismen unwirksam zu machen. Die einschlägigen Mitteilungen werden erst später veröffentlicht. Zum Gebrauch wird er durch Anfeuchten aktiviert, was dann innerhalb von 12-24 Stunden zu dem verwendungsbereiten Starter führt. In dieser Wiederaktivierungsphase vermehrt sich die Bakterienzahl. Er darf in diesem Zustand nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Für den Großbetrieb mit genügendem Umsatz kann man später wieder zum nassen Starter übergehen, unter Vermeidung des komplizierten Trocknungsverfahrens. Für den Versand eignet sich der getrocknete Starter besser. Es ist einmal passiert, daß ein Postpaket mit nassem Starter aufbrach. Die papierverdauenden Bakterien haben sich sofort über den Inhalt des Postsackes hergemacht und waren recht erfolgreich.

Man möge es dem Verfasser nicht übelnehmen oder ihn für unbescheiden halten, wenn er den von ihm in jahrelanger Forschungs- und Versuchsarbeit entwickelten B.D.Kompoststarter hier und dort in diesem Werke erwähnt. Zwar enthält diese Schrift die allgemeinen Gesichtspunkte für eine erfolgreiche Kompostfabrikation (auch ohne den B.D.-Kompoststarter), aber der erfahrungsgemäß erfolgreichste Kompost konnte nur mit diesem erreicht werden. Der Verfasser würde es für nicht richtig halten, die damit erzielten Tatsachen und Beobachtungen dem allgemeinen Publikum vorzuenthalten."




Dieser Beitrag wird fortgesetzt.

Doch zu guter letzt noch ein schönes Spiel, das (Kompost-)Tierli-Memory auf www.kompostberatung.ch - Na, denn viel Spaß beim Raten.